OER-Werkstatt mit analogem werken

Absicht dieses Ressourcenpools

In einer OER-Werkstatt kann gemeinsam geknoblet und gearbeitet werden, mit mehr oder weniger physischer Präsenz und mehr oder weniger digitalem Coaching.
Für solche OER-Werkstätten werden hier didaktische Ideen und Materialien unterschiedlicher Art bereit gestellt, sodass dieser Ressourcenpool selbstorganiert oder unterstützt von ExpertInnen  genutzt werden kann.
Vorgeschlagen werden acht Schritte, die aufbauend oder parallel für Lehre oder Selbststudium gestaltet werden:

  1. Sich einlesen: Was ist OER?
  2. Ein persönliches Lehr-Lernsetting schärfen
  3. OER-Material suchen
  4. Material zu einem wirkungsvollen Setting zusammenbauen
  5. OER-Material technisch bearbeiten
  6. Qualität von OER-Materialien prüfen
  7. Material rechtssicher einsetzen
  8. Das wOERstück finalisieren und Erfahrungen teilen

Wie die Schritte bzw. Ressourcen zu einer Werkstatt verbaut werden können, zeigt die hier zur Verfügung gestellten Einladung für Teilnehmende einer hochschuldidaktischen Weiterbildung. Sie wurden für die OER-Werkstatt gebeten, sich digital vorbereiten. In der habtägigen OER-Werkstatt wurde analog gewerkt. Coaches für didaktische, technische und Rechechefragen waren anwesend.

1. Sich einlesen: Was ist OER und welchen Mehrwert kann die Arbeit damit bringen?

Wer sich für die internationale Idee von OER einlesen will, findet
– knappe Erklärung, was OER sind, kombiniert mit einer ebenso knappen Übersicht
– eine knappe Begründung für OER in der Bildung finden Sie in der brandneuen Broschüre „OER in der Schule 2.0“, der OER-Infostelle in Deutschland.
An diesem Beispiel erkennen Sie schön, wie Bilder beschriftet und Veränderungen am Original deklariert werden unter CC BY-NC 4.0
– Wie es funktioniert, wird hier auf der Creative Commons-Seite der Schweiz erklärt.
– knappe Information auf „Openlearningdays.ch 2019“, der ersten internationalen Konferenz zu OER in der Schweiz.
– Keynote von Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers zu seinem Herzensanliegen „Moving from Resources to Cultures and Practices of Open“,
anlässich der Openlearningsdays.ch 2019 in Luzern (deutsch, 2. Konferenztag, nach einer Podiumsdiskussion am 1. Tag)

– Keynote von Abdeljalil Akkari zu „Open Educational Resources in North-South Partnerships: How to share and broaden our educational knowledge?„,
anlässlich der Openlearningsdays.ch 2019 in Luzern (englisch, 1. Konfernztag)
– einen ausführlichen Bericht „Bildung überdenken“ der deutschsprachigen UNESCO-Kommissionen
– ein kurzes Interview „Weltweit besser Bildung?“
– ein historischer Abriss macht Gerd Korthenmeyer vom LED der ETH 2019 mit dem Webinar „17 Jahre später“ von RubOPEN
– und ganz viele Informationen im Internet.

2. Die Absicht eines persönlichen Lehr-Lernsettings schärfen

Situation 1: Sie wissen, dass Sie in nächster Zeit eine kleinere oder grössere Sequenz planen und durchführen werden, aber Sie haben noch gar kein oder zu wenig Material.
Damit Sie die Absicht der Lehr-Lerneinheit schärfen und eine Übersicht über das nötige Material gewinnen können, steht Ihnen ein Template zur Verfügung. Wir nennen es in der Folge  „GPS durch den Dschungel der didaktischen Möglichkeiten“ . Es führt Sie durch relevante didaktische Fragen.

Situation 2: Falls Sie bereits vielfältiges Material haben und bereits methodische Überlegungen angestellt haben, können Sie mit diesem „GPS durch den Dschungel der didaktischen Möglichkeiten“  Ihre Überlegungen zusammenfassen und an die OER-Werkstatt mitbringen. Oder eine neue Perspektive mit einer „Learning Design Canvas“ gewinnen.

Situation 3: Statt OER-Material selber zu nutzen, verändern, produzieren, remixen und publizieren können Sie beispielsweise zusammen mit den Studierenden im Rahmen von Service-Learning  Bildungsmaterialien unter offenen Lizenzen entwickeln. Dieses handlungsorientierte und wenig verbreitete „Lernen durch Engagement“ gehört zur Civic Education. Diese pädagogische Methode ist in den USA schon sehr verbreitet, im deutschsprachigen Raum wird sie vorerst als innovativ besprochen. Dabei werden fachliche Inhalte so vermittelt, dass der Lerneffekt bei der Arbeit für gemeinnützige Projekte eintritt.
Falls Sie diesen Weg gehen wollen, passen Sie Ihre Überlegungen bzw. das „GPS durch den Dschungel der didaktischen Möglichkeiten“ entsprechend an. Das ist ja der Sinn von OER. Falls Sie Lust haben, gerade ein Template zu entwickeln, kann dieses anschliessend auch unter den wOERstücken publiziert werden. Für Studierendenprojekte empfehlen wir in der Broschüre „OER in der Schule 2.0“ den Abschnitt unter 7.2. Schülerprojekte unter freien Lizenzen ab S. 27.

3. OER-Material suchen

Sie brauchen für Ihre Sequenz noch Educational Resources wie Kurskonzepte, Texte, Videos, Audios usw. In der Broschüre „OER für die Schule 2.0“* finden Sie…

  • auf S. 12 und 13 eine Übersicht zu den CC-Lizenzen. Das ist sehr dienlich um zu verstehen, was Sie mit den gefunden Materialen machen können und dürfen.
  • ab S. 16f. die Hinweise, wie Sie in Suchmaschinen nach OER-Material suchen können. An dieser Stelle ein Print-Screen.

    Screenshot: S. 16, Broschüre „OER in der Schule 2.0”, Grafik: Elke Hotter, (bearbeitet, Logo OERinfo entfernt von Gabi Fahrenkrog) CC BY 4.0.

     

    Links zu Suchmaschinen und Plattformen aus der Broschüre „OER in der Schule 2.0“ S. 16f haben wir übertragen und ergänzt im Menü  Ressourcen.

    CreativeCommons-Plattformen
    Over 1 billion CC-licensed works exist across millions of websites. The majority are hosted on content platforms that provide CC license options for their users. CC platforms make it easy for users to discover and collaborate on images, video, music, research and educational texts. This page highlights some of the best known platforms for sharing …
    https://creativecommons.org/about/platform/

    Im „OER_Werkstatt_GPS Recherche und Publizieren“ finden Sie kurze Hinweise zur Suche nach OER sowie zum Publizieren von OER.

    Eine sehr hilfreiche Zusammenstellung vieler Quellen für freie Materialen aller Art hat die Hamburg Open Online University (HOOU) erstellt und finden Sie hier.

4. Materialen zu einem wirkungsvollen Setting zusammenbauen

Nun gilt es, die gesammelten Materialien und die methodisch didaktischen Überlegungen zu einer wirkungsvollen Sequenz zusammen zu bauen. Das geschieht digital oder analog zusammen mit anderen in einer OER-Werkstatt.

Mit folgenden Fragen können Sie Ihre Sammlung nach didaktischen und lernpsychologischen Überlegungen zu gutem Unterricht in der Tabelle 1 checken:

  • Habe ich eine attraktive Situation gewählt, welche die Teilnehmenden meistern können sollen?
  • Habe ich die nötigen Medien — Video, Audio, Texte, Simulationen…– um die Interessen von Frauen und Männern ansprechen?
  • Habe ich Methoden so eingesetzt, dass über die ganze Sequenz ein lernförderlicher Rhythmus entsteht und der Spannungsbogen hält?
  • Habe ich Möglichkeiten für die Teilnehmenden geschaffen, ihren Lernstand sichtbar zu machen, ohne das Gefühl der Kontrolle zu geben?
  • Habe ich Möglichkeiten vorgesehen, damit die Teilnehmenden alleine verstehen, aber auch mit anderen das Wissen oder Können validieren können?
  • Habe ich Möglichkeiten für Feedback an die ganze Klasse, an Gruppen oder Einzelne auf der Ebene von Produkt, Prozess oder Selbstregulation vorgesehen, damit die summative Prüfung erfolgreich gelingen kann?
  • Habe ich für komplexe Inhalte ausreichende massgeschneiderte Visualisierungen, um den Teilnehmenden komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen (Advance Organizer, Mind Map, Simulationen, usw.) ?
  • usw.

Tabelle 1: Materialien zu einem wirkungsvollen Setting zusammen bauen CC BY 4.0 Monika Wyss

 

5. OER-Material technisch bearbeiten

Die Arbeit mit OER verlangt spezifische digitale Skills. Diese werden in der analogen oder digitalen OER-Werkstatt erworben, sei es, dass Teilnehmende voneinander lernen oder Fachpersonen analoge oder digitale Fragestunden anbieten.
Fragen, welche sich bei der Bearbeitung stellen, werden laufend gesammelt. Mit der Zeit soll ein Sammlung mit häufigsten Antworten entstehen. Dies geschieht im Zusammenhang mit dem publizierten wOERstück, wo auch die dabei erworbenen Digital Skills beschrieben werden.

Beispiel: Mit H5P mehrere Unterrichtsphasen verbinden
Mit H5P können Phasen der Wissensvermittlung verbunden werden zu einem Lehr-Lernsetting wie „Vorwissen abfragen (t1), Wissen vermitteln, Lernstand zum Zeitpunkt 2 (t2) bis hin zu weiteren Aufträgen verbinden. Hier eine Erklärvideo.

 

6. Qualität von OER-Materialien prüfen

Qualität prüfen 1: Sie können nun Ihre gesuchten Materialien auf ihre Qualität prüfen z.B. mit der Checkliste der PH Bern. Diese eignet sich auch sehr gut für Peer-Feedback.
Achten Sie beim Sichern des Worddokuments darauf, dass Sie beim Absichern das Kontrollkästchen „Kompatibilität mit früheren Versionen von Word beibehalten“ anklicken. Ansonsten verzieht sich die schöne Darstellung.

Qualität prüfen 2: Checkliste auf H5P
Sie haben selbst Bildungsmaterial erstellt und wissen nicht, wie Sie es als gutes freies Bildungsmaterial veröffentlichen? Mit dieser Checkliste können Sie prüfen, welche Qualitätsindikatoren Ihr Material aufweist und es ggf. weiter optimieren.

Beratungen von HochschuldidaktikerInnen finden in den OER-Werkstätten statt. Didaktische Fragen werden analog oder digital gesammelt. Mit der Zeit soll hier ein Sammlung der häufigsten Antworten entstehen.

 

7. Materialien rechtssicher einsetzen

Es ist einfacher als man denkt, mit zwei Klicks mit dem License Chooser unter
http://www.creativecommons.ch/lizenzen-erstellen-und-finden/

Auch das Beschriften von Bildern ist einfach:
Korrektes Angeben der offen Lizenz bei einem Bild mit der tullu-Regel

Und kommen doch Fragen auf, wenn man Material — nicht nur OER — rechtssicher einzusetzen will. Dann gibt es ein einführendes Webinar in Kooperation mit CCdigitallaw unter der Rubrik Ressourcen\Recht.
Weitere rechtliche Fragen werden in den OER-Werkstätten gesammelt und mit den RechtsexpertInnen in der entsprechenden Institution geklärt. Diese werden gebeten, die FAQs zu einem Merkblatt zusammen zu stellen und den Angehörigen der Institution zur Verfügung zu stellen.

Nicht lösbare rechtliche Fragen werden analog oder digital gesammelt. Die häufigsten werden von CCdigitallaw.ch aufgearbeitet und auf der entsprechenden Seite publiziert.

Welche offenen Lizenzen schlägt meine Hochschule vor? Erkundigen Sie sich bei Ihrem Rechtsdienst, welche offenen Lizenzen Ihnen empfohlen werden.
Der Rechtsdienst der Hochschule Luzern (HSLU) hat ein Merkblatt erstellt und empfiehlt CC BY oder CC BY SA.

8. Das Werkstück finalisieren, Erfahrungen und Tipps zugänglich machen

Sie sind eingeladen, Ihre entwickeltes Werkstücke — gross oder klein —  unter dem Menüpunkt „wOERstücke“ auf dieser WebSite sichtbar zu machen und die Erfahrungen mit anderen interessierten Personen zu teilen.
Es freut uns, wenn Sie entsprechend auf Ihre Plattform oder Ihr bevorzugtes Repository verlinken.

[interner Kommentar: Template kommt anfangs Oktober]

 

 

*Es besteht die Idee, diese Broschüre „OER in der Schule 2.0“  längerfristig für die Hochschullandschaft der Schweiz zu spezifizieren. Ihre Ideen werden laufend gesammelt in den OER-Werkstätten und auf dieser WebSite sporadisch eingepflegt.

 

Stand 25.März 2020